Datensicherheit im Internet beinhaltet, dass Daten
- eindeutig einem Absender zugeordnet werden können (authentisch),
- nur dem richtigen Empfänger zugänglich sind (vertraulich),
- nicht durch Dritte manipuliert werden können (integer).
Bei Daten, die im Klartext im Internet übermittelt werden (E-Mail, Webseiten, Passwörter), kann die Integrität nicht garantiert werden.
Dadurch könnten auch der ursprüngliche Absender oder der Empfänger manipuliert
werden - Klartextdaten sind also per definitionem nicht sicher. Dies ist der
Grund, warum z.B. in E-Mails oder ungeschützten Webformularen keine Kontodaten
oder Passwörter übermittelt werden sollten.
Um die Sicherheit zu erhöhen, werden Verschlüsselungsverfahren eingesetzt.
Diese arbeiten mit sogenannten Schlüsseln, die eine bestimmte Schlüssellänge in
Bit besitzen.
Je grösser die Schlüssellänge, desto besser die Verschlüsselung. Eine
Schlüssellänge von 128 Bit bedeutet z.B., dass eine von 2128
Möglichkeiten die richtige ist. Da moderne Verschlüsselungen nur mit
Ausprobieren ("brute force") geknackt werden können, nimmt die empfohlene
Schlüssellänge im Verlauf der Zeit zu, da die Rechner immer leistungsfähiger
sind.
Typen von Verschlüsselung
Man unterscheidet zwei Typen von Verschlüsselungsmechnismen:
- Symmetrische Verschlüsselung: die Schlüssel zum Ver- und Entschlüsseln
sind identisch.
Beispiel: Herr Meier verschlüsselt die Daten mit einem Passwort, schickt die
verschlüsselten Daten Frau Müller und übermittelt dann Frau Müller das
Passwort, z.B. per Telefon.
Vorteil: Das Verfahren ist schnell und (wenn das Passwort einmal übermittelt
wurde) auch sicher.
Nachteil: Der Schlüssel, hier das Passwort, muss ebenfalls irgendwie
übermittelt werden. Das geht im privaten Rahmen gut, ist aber im Internet
schlecht, da bei einer elektronischen Übermittlung der Schlüssel abgefangen
werden könnte. Ein Dritter kann so mit Datenmanipulationen Erfolg haben, da
Absender und Empfänger nicht mehr garantiert wären.
Eine symmetrische Verschlüsselung wäre z.B. das passwortgeschützte Verpacken
mit dem Programm WinZip.
- Asymmetrische Verschlüsselung: die Schlüssel zum Ver- und Entschlüsseln
sind unterschiedlich.
Bei einer asymmetrischen Verschlüsselung werden von einem Programm zwei
Schlüssel erzeugt: ein sogenannter privater Schlüssel (private key) und ein
öffentlicher Schlüssel (public key).
Der öffentliche Schlüssel wird allgemein bekanntgegeben, er dient zum
Verschlüsseln von Daten, die an den Besitzer dieses Schlüsselpaares geschickt
werden sollen.
Der private Schlüssel bleibt auf dem Rechner des Besitzers und dient zum
Entschlüsseln der Daten, die mit dem öffentlichen Schlüssel verpackt wurden.
Beispiel: Herr Meier und Frau Müller haben sich jeweils ein Schlüsselpaar
generiert und tauschen per E-Mail die öffentlichen Schlüssel aus. Herr Meier
will nun Daten an Frau Müller senden. Dazu verschlüsselt er sie mit dem
öffentlichen Schlüssel von Frau Müller und schickt sie ihr. Frau Müller erhält
die Daten und entschlüsselt sie mit ihrem privaten Schlüssel. Nun bearbeitet
Frau Müller die Daten und will sie wieder an Herrn Meier zurückschicken. Sie
verschlüsselt die Daten dazu mit dem öffentlichen Schlüssel des Herrn Meiers
und schickt sie diesem. Nur Herr Meier kann die Daten nun wieder entschlüsseln
- nicht einmal Frau Müller!
Vorteil: Der Schlüssel zum Entschlüsseln der Daten (der private Schlüssel) wird
nie übermittelt und kann daher auch nicht abgefangen werden. Dadurch ist auch
der richtige Empfänger der Nachricht eindeutig, nämlich der Besitzer des
privaten Schlüssels.
Nachteil: Das Verfahren wird mit zunehmender Schlüssellänge langsamer.
Da die asymmetrische Verschlüsselung durch den höheren Rechenaufwand langsamer
ist, wird meist mit einem hybriden Verschlüsselungsmechanismus gearbeitet.
Dabei werden die Daten mit einem symmetrischen Schlüssel gepackt und dieser
Schlüssel seinerseits asymmetrisch verschlüsselt. Der Empfänger entschlüsselt
dann den Schlüssel und entpackt die Daten.
Eine asymmetrisch-hybride Verschlüsselung liegt z.B. bei PGP und SSL vor.
Neben der Unterteilung in symmetrische und asymmetrische Verschlüsselung wird
unterschieden, wann Daten verschlüsselt werden:
- Bei einer Verschlüsselung vor der Datenübertragung werden die Daten selbst
verschlüsselt und dann über einen beliebigen Weg transportiert (z.B.
PGP-verschlüsselte Daten über E-Mail).
- Bei einer Verschlüsselung während der Datenübertragung werden die Daten nur
für den Transport verschlüsselt (z.B. Formulardaten im Browser über SSL).
Bei der ersten Methode erhält der Empfänger verschlüsselte Daten, bei der
zweiten Methode unverschlüsselte Daten.
Eine Variante von Verschlüsselungen ist die sogenannte Digitale Signatur. Bei ihr werden die Daten nicht mit dem
Schlüssel verschlüsselt, sondern der Schlüssel garantiert, dass die Daten vom
richtigen Absender stammen und unverändert übermittelt wurden.
Beispiel: Herr Meier will ein Word-Dokument verschicken und möchte es
signieren. Ein Programm (z.B. PGP) errechnet aus dem Word-Dokument einen
sogenannten Hash-Wert (errechnete Kurzfassung der Daten = elektronischer
Fingerabdruck) und verschlüsselt diesen Hash-Wert mit dem privaten Schlüssel
des Herrn Meier.
Er schickt das Dokument an Frau Müller, deren Programm ebenfalls den Hash-Wert
berechnet und dann mit dem öffentlichen Schlüssel des Herrn Meier die Signatur
entschlüsselt, um den dort angegebenen Hash-Wert mit dem selbst errechneten zu
vergleichen. Wenn das Dokument manipuliert wurde, ist der Hash-Wert verändert
und die Signatur wird als ungültig gemeldet.
Verschlüsselungen garantieren, dass die richtigen Daten an den richtigen
Empfänger gehen. Sie garantieren jedoch nicht automatisch die Authentizität des
Absenders. Dazu wurde das Konzept der Zertifikate entwickelt, die wie ein
Personalausweis dazu dienen sollen, den Absender zu identifizieren und zu
bestätigen, dass z.B. ein bestimmter öffentlicher Schlüssel tatsächlich der
Schlüssel des Herrn Meier ist (näheres siehe unter Zertifikat).
Wie sicher sind Verschlüsselungen ?
Die Stärke einer Verschlüsselung basiert im Prinzip auf der Schlüssellänge in
Bit, welche nur durch enorme Rechenleistungen geknackt werden kann. Der grösste
bisher geknackte Schlüssel eines asymmetrischen Verfahrens war 512 Bits lang
(Stand Juli 2001).
Die eigentlichen potentiellen Sicherheitslücken liegen daher auf dem Rechner
des Benutzers. So können Schlüssel oder Passworte durch Trojaner ausgespäht werden oder auf den elektronischen
Daten abgefangen werden.
Erfolgreich war auch schon ein Vortäuschen einer falschen Identität durch einen
Dritten ("man in the middle attack"). Dabei wird dem Absender scheinbar der
Schlüssel des Empfängers übermittelt, der aber dem Dritten gehört, und dem
Empfänger ebenso. Der Mann in der Mitte kann damit alle Mails abfangen und
entschlüsseln, die von Absender und Empfänger ausgetauscht werden.
Andere Verschlüsselungsvarianten
Bei der Steganografie wird eine Nachricht möglichst unauffällig in eine anderen
Nachricht oder einem Bild versteckt. Es gibt damit quasi zwei
Sicherheitsstufen: Erstens muss der Dritte herausfinden, dass sich in der
unauffälligen Nachricht eine zweite Nachricht verbirgt, zweitens muss er die
Verschlüsselung knacken.
Bei der biometrischen Verschlüsselung sollen in Zukunft unveränderliche
Kennzeichen des Benutzers als Basis für die Verschlüsselung dienen, z.B.
Augenfarbe, Stimme, Fingerabdrücke.
Warum ist es überhaupt sinnvoll, Daten zu verschlüsseln ?
Die Inhalte einer E-Mail sind für den Fachmann, der Zugang zum Netz hat, wie
Postkarten - jeder kann sie lesen. Für vertrauliche Daten, seien es persönliche
oder firmeninterne, ist daher eine Verschlüsselung sehr sinnvoll.
Durch den Aufbau des Internets (Daten werden über beliebige Wege ans Ziel
geschleust) kann jeder (z.B. Internetprovider) die Daten sammeln, lesen und
manipulieren. So treiben die USA mit dem Abhörsystem Echelon ganz ungeniert
Spionage: Früher gegen den Osten, heute für ihre eigene Wirtschaft, indem sie
bei europäischen Firmen Industriespionage betreiben.
Auch im E-Commerce ist Datensicherheit sehr wichtig. Viele
potentielle Käufer nutzen Online-Shops bisher nicht, da sie Angst um ihre Daten und
ihr Geld haben. Verschlüsselungen garantieren hier eine gewisse technische
Sicherheit, geben allerdings keine Garantie dafür, wie der Empfänger mit den
Daten umgeht (z.B. Adressverkauf, unsichere Speicherung).
Neben dem klassischen Aspekt des allgemeinen Schutzes von Informationen besitzt
Verschlüsselungssoftware eine politische Dimension. Manche Staaten verbieten
das Verschlüsseln mit dem Argument, dass in den Mails kriminelle Absprachen
getroffen werden könnten. Kriminell ist hier je nach Staat alles von der
falschen Religion bis zur falschen Partei oder einer missliebigen
Menschenrechtsorganisation. Sogar von westlichen Staaten wurde argumentiert,
dass der "brave Bürger" nichts zu verheimlichen hätte.
Das Recht an den eigenen Daten in einer Demokratie beinhaltet aber auch das
Recht der Verschlüsselung. Jeder Anwender, der Verschlüsselungen nutzt , trägt
dazu bei zu zeigen, dass auch der "Normalbürger" den Wunsch nach Datenschutz
hat. In Österreich und Deutschland wird die Verschlüsselung von Daten
inzwischen durch die Regierungen gefördert, z.B. durch Signaturgesetze oder die
Unterstützung von Open Source PGP-Varianten. Auch in der Schweiz ist ein
Signaturgesetz in Vorbereitung (Stand Juli 2001).