Das World Wide Web hat sich schnell zum populärsten Dienst des
Internet entwickelt. Dem entspricht die exponierte Stellung jener Programme,
mit denen Webseiten betrachtet werden: Den Web-Browsern. Für viele Benutzer
repräsentieren sie schlechterdings den Zugang zum Internet.
Geschichte des "Browser-Krieges"
Der Netscape Navigator ging aus dem Hypertext-Browser Mosaic hervor, der in den Jahren 1992-94
an der University of Indiana entwickelt wurde. Die Version 1.0 von Netscape,
die alle führenden Betriebssysteme unterstützte, kam Ende 1994 heraus, gerade
rechtzeitig, um sich als Standard-Browser für das boomende Worldwide Web zu
etablieren. Auf dem Höhepunkt des Erfolgs ihres Browsers gelang der Firma
Netscape im August 1995 der bis dahin erfolgreichste Neueinstieg an der
amerikanischen Börse.
Der Kontrahent Microsoft hatte die Dynamik des Internet unterschätzt und konnte
dem Netscape-Browser zunächst kein vergleichbares Produkt entgegensetzen. Erst
die Version 3 des Microsoft Internet Explorer, die im August 1996 erschien,
konnte vom Funktionsumfang her halbwegs mit dem Netscape Navigator
konkurrieren. Es entwickelte sich ein Wettlauf um neue "Features" und
Funktionen, bei dem die Kompatibilität mit dem HTML-Standard häufig den vermeintlichen Benutzerwünschen
geopfert wurde, etwa bei der Unterstützung von Frames.
Der Internet Explorer konnte im Laufe der Zeit zunehmend seinen Marktanteil
steigern, v.a. wegen der Bündelung mit den Microsoft-Betriebssystemen, die dazu
führte, dass Computer-Neulinge überwiegend den Internet Explorer nutzten,
einfach weil er auf ihrem System bereits vorinstalliert war. Angesichts eines
drastisch sinkenden Marktanteils entschloss sich Netscape im Januar 1998 zu dem
überraschenden Schritt, den Quellcode für die nächste Generation
seiner Browser-Software zu veröffentlichen, so dass Programmierer aus der
ganzen Welt sich an der Entwicklung des neuen Browsers unter dem Projektnamen
Mozilla beteiligen konnten. Nach der Übernahme von Netscape durch AOL im
November 1998 beschloss Netscape schliesslich, zwei Versionen des neuen
Browsers herauszubringen: Zum einen den
Open-Source Browser Mozilla (Open Source: offen verfügbarer Quellcode), zum
anderen die Version 6 des Netscape Navigator, die auf demselben Programmcode
beruht, aber durch einige Netscape-spezifische Erweiterungen ergänzt wird.
Inwiefern es Netscape gelingt, mit diesen erneuerten Produkten verlorene
Marktanteile zurückzuerobern, bleibt abzuwarten.
Ein Pionier der New Economy
Die Entscheidung Netscapes im Jahre 1994, seinen Browser für den privaten
Gebrauch kostenlos zur Verfügung zu stellen, markierte ein Geschäftsmodell, das
in gewisser Weise typisch ist für die sich um das Internet herum entwickelnde
"New Economy": Durch das Verschenken der Software soll der Marktanteil
gesteigert werden. Geld verdienen möchte man dann durch Dienste, die sich
indirekt aus der Popularität des Browsers ergeben, etwa als Portal. Wer den Netscape Navigator neu installiert, landet
zunächst auf der Netscape-Homepage, wo der Benutzer, so die Erwartung, die
angebotenen Dienste nutzen und kräftig auf die Werbebanner klicken wird.