Während herkömmliche Analogmodems das Telefonnetz für die Anbindung von
Computern ans Internet nutzen und durch dessen geringe Bandbreite eingeschränkt
sind, sind Kabelmodems für die Verbindung über das Fernsehkabel entwickelt
worden. Die Kabelfernsehnetze wurden seit Mitte der 70er schon als breitbandige
Anschlussmedien entwickelt - damals noch, um mehrere Fernsehsendungen parallel
zu übertragen. Heute kann diese hohe Bandbreite für einen sehr schnellen
Transport digitaler Daten genutzt werden. Hierzu wird einer der vielen
Sendekanäle, die im Frequenzbereich eines Fernsehkabels nebeneinander
übertragen werden für den Datenverkehr verwendet. Ansonsten funktionieren
Kabelmodemverbindungen ähnlich wie Analogmodems: Es wird eine Verbindung vom
Benutzer zu einer Gegenstelle (auch als Cable Modem Termination System, CMTS bezeichnet) hergestellt.
Direktverbindungen von Benutzern untereinander (peer-to-peer) unter Umgehung
des Knotenrechners wie bei Ethernet sind nicht möglich.
Die Bandbreite einer Kabelmodemverbindung beträgt insgesamt bis zu 42Mbit/s für
Up- und Downstream (Up= vom Benutzer zum Netz, Down= vom Netz zum Benutzer).
Diese werden aber nicht symmetrisch, d.h. 27Mbits/s, sondern asymmetrisch
aufgeteilt; üblich sind 38Mbit/s Downstream und 2Mbit/s Upstream. Diese
Datenraten werden von den meisten Privatanwendern jedoch nicht benötigt und
würden für die Kabelmodemprovider auch derart hohe Investitionen in die Backbones erfordern, dass ein bezahlbares Angebot kaum möglich
wäre. Daher werden die Kabelmodems üblicherweise gedrosselt. Hierdurch kann die
Gesamtbandbreite auf mehrere Kabelmodems (z.B. einen Häuserblock) aufgeteilt
werden und es werden weniger Endgeräte benötigt.
An den Computer werden Kabelmodems per Ethernetschnittstelle angeschlossen;
viele Fabrikate übernehmen auch zusätzlich noch Router- oder Paketfilterfunktionen.
Der Zugang per Kabelmodem ist, ähnlich wie bei ADSL, eine Standleitungstechnik, das heisst, es ist keine
Einwahl erforderlich, sondern die Verbindung zwischen Knotenrechner und dem
Rechner des Benutzers kann ständig bestehen, ohne dass dafür besondere Kosten
anfallen.
Der Zugang per Kabelmodem sollte als IEEE 802.14 standardisiert werden. Im
Laufe des Standardisierungsprozesses preschten jedoch einige US-Firmen vor und
schlossen sich in einer Allianz zusammen, die einen eigenen Standard, DOCSIS,
verabschiedeten. In Europa wurde im Rahmen der EU die Entwicklung des
konkurrierenden Standards DVB (Digital Video Broadcasting) sowohl für
Kabelnetzzugang wie auch digitalen Rundfunk gefördert. Für die Endgeräte wurde
eine Spezifikation namens "Euromodem" verabschiedet.
In den USA waren 1999 ca 2.5 Mio Kabelmodems im Einsatz. Zumindest in
Deutschland hat sich das System jedoch nicht in dem Mass verbreitet, wie Mitte
der 90er angenommen worden wahr. Dies liegt in erster Linie daran, dass das
deutsche Fernsehkabelnetz ursprünglich nicht rückkanalfähig war, d.h. es war
als reines Sendesystem ausgelegt, eine Datenübertragung vom Benutzer zurück zum
Provider war nicht vorgesehen. Ein Rückkanal ist für einen Internetzugang
jedoch nötig. Die Nachrüstung erfordert hohe Investitionen. Das deutsche
Kabelnetz verblieb zunächst bei der Telekom, die nach der Privatisierung die
entsprechenden Investitionen nicht tätigte; sie setzte für Breitbandzugänge auf
ADSL. Erst nach dem Verkauf der Kabelnetze an Konkurrenten könnte sich diese
Situation jetzt ändern.