Auch wenn heute das Internet für viele gleichbedeutend mit dem WWW ist, so ist
das WWW nur ein Dienst unter vielen im Internet. Auch E-Mail, News und FTP sind eigenständige Dienste, die heute oft in
den Browsern integriert sind, aber auch weiterhin als eigene
Anwendungen angeboten werden oder in andere Anwendungen eingebunden sind. So
besitzen die meisten Webseiteneditoren eine eingebaute FTP-Schnittstelle, über
die die Webseiten direkt zum Webserver gesendet werden können.
Jeder Dienst basiert auf einem oder mehreren Protokollen, die den Ablauf regeln
(Verbindungsaufbau, Fehlerbehebung, Datentransfer, Verbindungsabbau).
Protokolle sind dabei definiert als:
"Konventionen und Regeln über den Austausch von Informationen zwischen
Computern mit dem Ziel, eine vollständige, fehlerfreie und effektive
Datenübertragung zu gewährleisten."
Hier eine Liste bekannter Internet-Protokolle und ihre dazugehörigen Dienste
oder Funktionen (aussterbende Protokolle sind mit * gekennzeichnet):
- Telnet - Fernsteuerung (Remote Login)
- FTP (file transfer protocol) - Datentransfer
- FINGER* - Angemeldete Benutzer finden
- PPP (point to point protocol) - Anbindung eines Rechners ans Internet
- NNTP (network news transfer protocol) - Newsgroups
- SMTP (simple mail transfer protocol) - Mail abschicken
- POP (post office protocol) - Mail abholen
- IMAP (internet message access protocol) - Mail abholen
- WAIS* (wide area information server) - Informationssystem
- GOPHER* - Informationssystem, WWW-Vorläufer
- HTTP (hypertext transfer protocol) - WWW
- IRC (internet relay chat) - Chatsystem
- SSH (secure shell) - sicherer Remote Login &
Datentransfer
Neue Dienste mit unterschiedlichen Protokollen je Anbieter
- Internettelefonie
- Audioübertragung
- Videoübertragung
Während FINGER aus Sicherheitsgründen heutzutage meistens deaktiviert ist,
wurden WAIS und GOPHER vom WWW abgelöst. Insgesamt gibt es wohl mehrere hundert
Protokolle im Internet, von denen aber nur ein kleiner Teil genutzt wird.
Der normale "Werdegang" eines Dienstes oder Protokolls ist folgender:
- I-D (Internet-Draft) als erster Vorschlag an die Internetgemeinde
- RFC (Request for Comment) zum Thema wird veröffentlicht.
- Bei Änderungen und Aktualisierungen werden neue RFCs zum Thema
veröffentlicht, die das alte RFC ergänzen oder ablösen.
RFCs führen zu einer gewissen Standardisierung des Internets, die allerdings
nicht von "oben" stattfindet, sondern in der Internetgemeinde selbst
durchgeführt wird. Wenn ein in einem RFC beschriebener Dienst sich nicht
etablieren kann, wird er eben nicht genutzt. Alle Protokolle werden von den
IETF (Internet Engineering Task Forces) auf Herz und Nieren bezüglich ihrer
Sicherheit, Einsatzfreundlichkeit, Stabilität und Kompatibilität geprüft, was
eine gewisse Qualität sichert. Da alle Informationen offengelegt sind, hat
jeder Entwickler die Chance, Dienste und Protokolle in eigenen Anwendungen zu
implementieren und darauf aufzubauen.
Im Gegensatz zum "normalen" Werdegang werden heute viele Dienste durch ihre
Verbreitung zum Quasi-Standard. So existiert z.B. für das von einer Firma
entwickelte SSH-Protokoll kein RFC, obwohl sich SSH im Internet
etabliert hat, ebenso nicht für Real Audio, oder ICQ. Der basisdemokratische
Gedanke des Internets führt dazu, dass beliebte Dienste ihren Platz im Internet
automatisch erobern.
Der Unterschied zu RFC-definierten Protokollen ist allerdings, dass die von
Firmen entwickelten Protokolle z.T. nicht offengelegt sind oder durch Patente
und Marken geschützt werden, so dass andere Firmen und Entwickler sie nicht so
frei nutzen können wie die RFC-Protokolle.