Einen typischen Hoax erkennt man an:
- einer Betreff/Subject-Zeile mit "Virus-Warnung!!!!" oder ähnliches
- der Aufforderung, diese Warnung an möglichst viele Menschen zu
versenden
- der drastischen Darstellung des Virus (z.B. Hardware zerstören)
- der drastischen Darstellung von Reaktionen (Stadt X in Panik)
- einem Bezug auf scheinbare Autoritäten (McAfee, AOL, IBM, Microsoft,
Polizei, Behörden..)
- unscharfe Zeitangaben ("seit 3 Tagen", "gestern")
- technisch abgefasstem Text
Hier zwei Original-Beispiele:
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Abbildung 1: Beispiel eines Hoax
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Subject: Viruswarnung
VIRUS- WARNUNG!!
Von Microsoft und McAfee wurde ein neuer Virus entdeckt. Er ist seit 3 Tagen in
Amerika bekannt! Er tarnt sich als Glückwunschkarte oder Grusskarte. Er wird
als sehr gefährlicher Virus bezeichnet und zur Zeit noch von keinem
Anti-Virus-Programm entdeckt. Name bzw. Text in der Betreff-Zeile: "A Virtual
Card for You" --- NICHT ÖFFNEN!!
Wirkung: Der Virus vernichtet sofort den Sector 0 oder Bootsektor der
Festplatte, die dann definitiv nicht mehr anzusprechen ist.
Verbreitung: Er verbreitet sich an alle Adressen aus dem eigenen Adressbuch.
Der Virus sorgte in New York für einige Panik!! Selbst CNN warnte vor diesem
gefährlichen Virus!!
Aktion:
Wenn Sie so eine Mail erhalten mit diesem Betreff, diese Mail sofort ENDGÜLTIG
LÖSCHEN!!! also auch aus der Rubrik "Gelöschte Objekte"! (Outlook oder Outlook
Express)
Selbst vorsichtige Computerbenutzer werden durch die scheinbare Dringlichkeit
und den hohen Aufforderungsgehalt dazu bewegt, beispielsweise
- das Mail an Bekannte weiterzuleiten (und damit die Funktion typischer
VBS-Viren manuell nachzuahmen!)
- Windows-Systemdateien auf der Festplatte zu löschen, weil sie angeblich
Viren enthalten (z.B. sulfnbk.exe)
- Passwörter und Zugangsdaten an jemanden zu senden
Damit gilt wie für Viren, dass Schäden meistens durch die Reaktionen des
Anwenders selbst verursacht werden.
Variationen der Hoaxes betreffen inzwischen auch das Mobiltelefon ("Mobile
Hoax"), hier ein Auszug:
Erhalten Sie auf Ihrem Natel eine SMS oder auf der Mailbox einen Anruf der Nummer 01414/55414,
wählen Sie diese auf keinen Fall an. Beim Anwählen dieser Nummer können Ihnen
enorm hohe Kosten entstehen.
Mit den typischen Hoaxes verwandt sind Kettenbriefe, die es ebenfalls in
verschiedenen Ausprägungen gibt:
- Klassische Kettenbriefe ("Überweisen Sie an mich und schicken Sie das Mail
an 20 Freunde weiter!")
- Geldverschenkwerbung ("Bei AOL bekommen Sie 20 Tage lang für jedes
verschickte Mail Geld!")
- Glücksbriefe ("Schicken Sie diese Mail an 20 Freunde und Sie werden für
immer glücklich sein!")
- Hilferufe ("Leukämie ! Blutspender gesucht", "Krebskrankes Kind")
Kettenbriefe besitzen damit einen ähnlichen Dringlichkeitston wie Hoaxes,
appellieren aber auch emotional an den Empfänger, sei es an seine Brieftasche
oder an sein Mitleid.
Hier ein typischer Auszug aus einem im Umlauf befindlichen Kettenbrief:
> Hi Leute, ich wende mich an Euch, weil ich ziemlich verzweifelt bin.
> Ich hoffe, Ihr koennt mir und meiner Freundin helfen, und lest diesen
> Brief!
> Das Problem ist, dass meine Freundin an Leukämie erkrankt ist. Es hat
> sich herausgestellt, dass Sie nur noch wenige Wochen zu Leben hat.
> Aus diesem Grund seit Ihr meine letzte Chance Ihr zu helfen. Wir
> benoetigen dringend eine/n Spender/in mit der Blutgruppe "AB
negativ"!!!!,
> der/die bereit waeren, ggf. Knochenmark zu spenden. Dies ist für Euch nur
> ein kleiner aerztlicher Eingriff, kann aber meiner Freundin zu Leben
verhelfen.
> Wenn jemand diese Blutgruppe hat, mochte er/sie sich doch bitte mit mir
> in Verbindung setzen. Alles weitere besprechen wir dann. Sendet bitte
> diesen Brief an alle, die Ihr kennt!!! Fragt in eurem Bekanntenkreis
> nach!!!!!
Der eigentliche Schaden von Hoaxes und Kettenbriefen liegt darin, dass sie
Arbeitszeit kosten und technische und menschliche Ressourcen vereinamen, da
sich der Empfänger mit ihnen auseinandersetzen muss.
Rechenbeispiel: Bei einer Verbreitung von 400.000 Stück erzeugt das für eine
E-Mail-Grösse von 40 kB eine Datenmenge von 16 Gigabyte und bei einer
durchschnittlichen Lesezeit von 2 Minuten einem Zeitverlust von insgesamt 79
Wochen. Fachleute setzen Hoaxes daher inzwischen mit Vandalismus gleich.
Hoaxes können Viren mit sich schleppen, aber nur im Anhang der E-Mail. Es wurden schon angebliche
Viren-Entfernungsprogramme verschickt, die sich nach der Installation als der
Virus selbst herausstellten. Solche E-Mails sollten sofort gelöscht werden
(siehe auch Stichwort Viren).
Folgende Regeln gelten im Umgang mit empfangenen Hoaxes:
- Bei Hoaxverdacht die passenden Internetseiten konsultieren.
- Den Versender des Hoaxes über die Natur von Hoaxes aufklären.
- Auf echte Virenwarnungen nur insofern reagieren, dass man die eigenen
Sicherheitsvorkehrungen prüft und sich auf den Seiten der
Virenscanner-Hersteller informiert resp. sich in Firmen an den
Systemadministrator wendet.
- Keine Mails an Bekannten weiterleiten, auch keine Virenwarnungen.
- Keine Dateien auf Verdacht löschen.
- Keine Gelder überweisen und keine Passwörter mailen.
- Nie selbst Kettenbriefe versenden, egal wie wohlmeinend!