Ein grosser Teil der Kommunikation über das Internet erfolgt schriftlich, bzw.
im "Nur-Text-Modus". Gleichzeitig ist diese Kommunikation aber oft informeller,
spontaner und intimer als in vielen traditionellen Genres des schriftlichen
Ausrucks. Dabei kommt es nun aber leicht zu Missverständnissen, weil die
etablierten Hilfsmittel der direkten und spontanen Kommunikation wie Mimik und
Tonfall fehlen. Emoticons ermöglichen es den Kommunikationspartnern, über den
sachlichen Aussagegehalt ihrer Nachrichten hinaus eine Art "Meta-Information"
zu übermitteln, die dem Gegenüber mitteilt, wie das Gesagte "gemeint" ist.
Während ein traditioneller Geschäftsbrief gut ohne Emoticons auskommt, weil er
meist wohlüberlegt formuliert wird und darüber hinaus in einem Genre mit klar
umrissenen Regeln angesiedelt ist, erfolgt ein grosser Teil der schriftlichen
Kommunikation über das Internet in einer Weise, die vor dem Aufkommen des
Internet meist der direkten, mündlichen Kommunikation vorbehalten war.
Entsprechend hoch ist der Bedarf an Hilfsmitteln, die die traditionellen
Feedback-Kanäle der spontanen Kommunikation ersetzen.
Die verbreitetste Form der Verwendung von Emoticons ist nun, dass man sich
Zeichen überlegt, die in ihrer grafischen Gestalt den Ausdrücken des
menschlichen Gesichts ähneln. Zweifellos ist der bekannteste Vertreter dieser
Art von Emoticons der "Smiley". Er sieht in seiner klassischen Form so aus:
:-)
Diese Kombination aus drei Zeichen des Standard-ASCII-Zeichensatzes stellt, wenn man sie um 90 Grad nach
rechts dreht, ein lachendes Gesicht dar. Dieses Emoticon verwendet man gerne,
um zu signalisieren, dass eine Bemerkung im "Humor-Modus" zu verstehen ist, um
allgemein eine fröhliche Stimmung oder Freundlichkeit auszudrücken, aber auch,
um Ironie oder Sarkasmus anzudeuten. (Man sieht an dieser Bandbreite der
Konnotationen schon, dass auch die Verwendung von Emoticons nicht zuverlässig
vor Missverständnissen schützt).
Analog hat sich dann eine Vielzahl von Variationen etabliert, die schmollende,
zwinkernde, erstaunte, usw. Gesichter repräsentieren sollen, und die einen
Grossteil der gängigen menschlichen Gefühle abdecken. Auflistungen umfassen oft
die ungewöhnlichsten Emoticons wie "bin Pfeifenraucher"; tatsächlich sind aber
lediglich einige wenige Zeichen weit verbreitet: das bereits genannte lachende
Gesicht, das Emoticon ;-) für "Witz, Ironie, Sarkasmus, nicht ganz ernst
gemeint" und :-( für "traurig, enttäuscht, schlechte Laune".
Auch andere Konventionen der Verwendung von Emoticons existieren, so etwa die,
dass mehrfache Verwendung von Satzzeichen in Folge eine Verstärkung bedeutet.
Wenn also ein einzelnes Fragezeichen einen Fragesatz repräsentiert, dann können
zwei oder mehr Fragezeichen für eine besonders drängende Frage, aber auch für
starke Skepsis oder Verwirrung stehen.
Generell ist beim Einsatz von Emoticons Sparsamkeit ratsam. Emoticons können
sorgfältiges Formulieren nicht ersetzen. Ihre inflationäre Verwendung ist
häufig ein Indiz dafür, dass es sich beim Gesprächspartner um einen
unerfahrenen "Newbie", ein unbeaufsichtigtes Kind oder Ähnliches handelt.
Erfahrene Internet-Benutzer verwenden manchmal extensive Häufungen von
Emoticons oder Frage- und Ausrufezeichen als formales Kriterium für das
Herausfiltern von Nachrichten als "nicht lesenswert".