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Cracker

In Kürze
Der Begriff "Cracking" (engl. brechen, knacken) bezeichnet einerseits (1) Aktivitäten, die um das Eindringen in anderer Leute Computersysteme, das Ausspähen ihrer Daten, etc. herum angelagert sind. Andererseits (2) bezieht er sich spezieller auf das "Brechen" von Anwendungsrestriktionen und Verschlüsselungsalgorithmen in Computer-Software.

Ähnliche Begriffe
Hacker, Reverse Engineering, Warez, Kopierschutz, Serialz, Script-Kiddies, Verschlüsselung, Phreaking

Überblick
Cracking (1) bezieht sich auf viele der oft illegalen Aktivitäten, die landläufig mit dem Begriff "Hacker" in Verbindung gebracht werden. Das unbefugte Einloggen in fremde Computersysteme, das systematische Erforschen von möglichen Angriffspunkten in Computernetzwerken, das Ausspähen von Daten fallen darunter.

Bei Cracking (2) stehen weniger Computernetzwerke im Vordergrund als bestimmte, meist kommerzielle Programme, die durch Anwendungsrestriktionen manche Nutzungsformen und Nutzer ausschliessen sollen. Cracking ist dann die Kunst der Überwindung dieser Restriktionen durch Studium der Funktionsweise des Programmes meist auf der Ebene des Maschinencodes.



 

   

 

Abbildung 1: Durchbrechen einer Firewall

 



Detail
Dieser Begriff ist insofern komplex, als er mit ganz unterschiedlichen Konnotationen schillert, je nachdem, wer ihn wie verwendet. Einerseits wird er von Hackern zur Imagepflege benützt: all die zwielichtigen und ungesetzlichen Unternehmungen, die der Volksmund mit dem Begriff "Hacking" verbindet (speziell das unberechtigte Eindringen in die Computernetzwerke anderer Leute), werden von Hackern gern in den Begriff Cracking "ausgelagert", so dass für das Hacken ein normativ neutrales Interesse am kreativen Umgang mit Technik übrigbleibt. In dieser Verwendung ist Cracking also ein stark negativ besetzter Kampfbegriff: Cracking (1) ist alles das, was landläufig mit dem Wort "Hacker" assoziiert wird, mit dem Hacker offiziell nichts zu tun haben wollen.

Andererseits ist "Cracker" in der Bedeutung von Cracking (2) auch die Selbstbezeichnung einer Gruppe von Leuten, die sich speziell mit der Analyse und Überwindung von Kopierschutzmechanismen und sonstigen Anwendungsrestriktionen bei Computerprogrammen befassen. Diese Leute studieren Programme auf der Ebene der Assembler-Maschinensprache, weil ihnen der Quellcode der Programme nicht zur Verfügung steht. Dies setzt ein gutes Verständnis des Betriebssystems und seiner Interaktion mit den verschiedenen Anwendungsprogrammen voraus. Proprietäre (urheberrechtlich geschützte) Software wird oft vor unbefugter Anwendung geschützt durch eine Kombination von Benutzernamen und Passwörtern oder "Serialz". Der legitime Benutzer erwirbt per Lizenz ein Passwort, das für seinen Benutzernamen gültig ist. Der Cracker hingegen analysiert den Algorithmus, der in dem Programm aus einem Benutzernamen ein gültiges Passwort herstellt, und erstellt dann zum Beispiel einen "Key-Generator", ein Programm also, das die Passworte für beliebige Benutzernamen errechnet. Auch andere Sicherungsmechanismen wie etwa zeitliche Beschränkungen lassen sich auf der Assembler-Ebene von kompetenten Crackern aushebeln. Die erstellten Key-Generators oder "Cracks" (kleine Modifikationen an einem Programm, die den Schutzmechanismus ausschalten) werden dann häufig im Internet publiziert.

Bei beiden Verwendungsweisen von "Cracking" ist zu unterscheiden zwischen den Crackern selbst und den blossen Anwendern von Cracks oder Skripten. Die Aktivität des Cracking (2) beinhaltet meist eine beachtliche intellektuelle Leistung und ein profundes technisches Verständnis. Cracker verstehen Programme manchmal besser als die Programmierer, die sie geschrieben haben. Typischerweise benutzen Cracker die meisten der von ihnen gecrackten Programme auch gar nicht selbst. Hingegen ist das blosse Anwenden eines Cracks mit dem Ziel, kostenlos an ein Programm zu kommen, ein eher trister und geistloser Akt.

Ähnliches gilt für das Erforschen von Schwachstellen in Serverprogrammen, etc. bei ans Internet angeschlossenen Rechnern, (Cracking (1)). Es ist durchaus eine kreative Leistung, eine solche Schwachstelle zu finden und dann ein "Shell-Script" zu schreiben, durch dessen Ausführen man Administratoren-Rechte auf dem Zielrechner bekommt. Wenn dann aber "Script-Kiddies" sich bereits fertig erstellte Shell-Scripte besorgen und dann wahllos das Internet nach Rechnern durchsuchen, die durch solche Scripte "gerootet" werden können, dann ist das schwerlich kreativer Umgang mit Technik zu nennen.

Generell ist das goldene Zeitalter des Cracking wohl vorbei. Software-Cracking setzt proprietäre Software voraus, deren Quellcode nicht öffentlich zugänglich ist. In dem Masse aber, in dem ein immer grösserer Teil der wichtigen Software als "Open Source" ohnehin allgemein zugänglich ist, ist abzusehen, dass findige Cracker ihr technisches Interesse anderen Anwendungsfeldern zuwenden werden.

Aber auch das Eindringen in fremder Leute Computer ist nicht mehr das, was es einmal war. Einerseits ist es zu einfach, wenn Millionen von privaten Windows-Rechnern, auf denen es aber nichts Interessantes gibt ausser Papis JPEG-Sammlung, wie Scheunentore offenstehen. Andererseits wird seit der Kommerzialisierung des Internet das unbefugte Eindringen in Netzwerke nicht mehr als blosses Kavaliersdelikt behandelt. Der kleine Cracker läuft heute ernsthaft Gefahr, als "Computer-Krimineller" oder gar als "Cyber-Terrorist" für Jahre hinter Gitter zu wandern. Da nimmt der technisch begabte Teil der nachwachsenden Generation dann doch wieder lieber am offiziellen Wettbewerb "Jugend forscht" teil und überlässt das Feld Berufskriminellen und Script-Kiddies.



Weiterführende Links
Fravia′s Page of Reverse Engineering. War jahrelang die wichtigste Anlaufstelle für Software-Cracker. (Englisch):
tsehp.cjb.net
Das Bugtraq-Archiv, immer spannende Lektüre für Cracker und Systemadministratoren (Englisch):
www.securityfocus.com


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