Ein Backbone (engl. "Rückgrat") ist die zentrale, schnellste Verbindung in
einem Netzwerk. Es hat meist selbst die Form eines Netzwerks, seltener auch
eines Ringes. Meist sind mit Backbone die wichtigsten Verbindungen des Internet
gemeint, aber auch in kleineren Netzwerken, z.B. in Firmen ist die zentrale
Kabelverbindung der Rechner ein Backbone.
Backbone-Verbindungen haben eine hohe Bandbreite, es können also grosse Datenmengen gleichzeitig
hindurchfliessen. Für den Benutzer ist das wichtig, weil damit beispielsweise
die Ladezeit von Webseiten oder die Dauer von Daten-Downloads verkürzt wird.
Der Begriff Backbone ist allerdings relativ: Die Bandbreite des Backbones in
einem kleinen Netzwerk kann sehr viel geringer sein als die der normalen
Leitungen eines grossen Netzwerks.
Für Backbones verwendet man in der Regel Glasfaserkabel, die bei
Transatlantikverbindungen einen äusseren Durchmesser von knapp fünf Zentimeter
erreichen können.
Im Unterschied zu normalen Internetverbindungen sind Backbone-Verbindungen
nicht redundant: Normalerweise können sich Daten auf verschiedenen Wegen durchs
Netz bewegen, je nachdem, welcher gerade am günstigsten scheint. Eine
Backbone-Anbindung ist aber häufig nur einmal vorhanden; wenn sie ausfällt, ist
das betreffende Netzwerk vom restlichen Internet abgeschnitten. Hängt z.B. ein
Provider nur an einem einzigen Backbone, verlieren bei einer Panne alle seine
Kunden vorübergehend ihren Internetzugang. Deshalb sind Provider in der Regel
an mehrere Backbones angeschlossen.
1986 wurde mit dem NSFNET der US-amerikanischen National Science Foundation ein
grosser Backbone in Betrieb genommen. Die Bandbreite dieses Backbones betrug
- 1986 56.000 Bit/s (56 kbit/s; eine DIN-A-4-Seite Text umfasst etwa
20.000 bit),
- 1989 bereits 1,5 Millionen bit/s (1,5 Mbit/s)
- 1993 45 Millionen bit/s (45 Mbit/s).
- 1995 wurde das NSFNET eingestellt
- 2000 waren für Backbones Übertragungskapazitäten ab 1 Milliarde
bit/s (1Gbit/s) üblich. Ein Ende der Beschleunigung ist vorerst nicht
abzusehen.
1992 wurde der erste europäische Internet-Backbone EBONE in Betrieb genommen. EBONE wird von
mehreren Internet Service Providern und Telekommunikationsgesellschaften
gemeinsam betrieben und verbindet Datennetze in über 30 Ländern.
Einige wichtige Backbones im deutschsprachigen Raum werden beispielsweise vom
Deutschen Forschungsnetz DFN (www.dfn.de), der
Deutschen Telekom AG, Nacamar (www.tiscali-business.de/),
KPNQwest (www.kpnqwest.de),
ContribNet
und UUnet (neu: WorldCom http://global.mci.com/de/) betrieben. Zu
den meisten europäischen Backbone-Netzen gehört auch eine eigene Anbindung in
die USA.
Es gibt zentrale Datenaustauschpunkte, an denen sich die einzelnen Backbones
überschneiden. Sie werden in der Regel von gemeinsamen Organisationen der
verschiedenen Backbonebetreiber finanziert und verwaltet. Die wichtigsten
Datenaustauschpunkte zwischen Backbones sind im deutschsprachigen Raum der
- "Deutsche Commercial Internet Exchange" DE-CIX in Frankfurt,
- MAE Frankfurt,
- INXS München,
- "Vienna Internet-Exchange" in Österreich VIX,
- "Swiss Internet eXchange" SIX,
- CIXP in Genf
- und "Telehouse Internet Exchange" TIX in Zürich
Über das DE-CIX-"Datendrehkreuz" liefen im April 2000 etwa 85 Prozent des
deutschen Internet-Datenverkehrs.
Bevor DE-CIX 1995 ins Leben gerufen wurde, mussten alle Daten, die eigentlich
nur von einem deutschen Providernetzwerk zu einem anderen geschickt werden
sollten, über Transatlantikleitungen in die USA und von dort wieder zurück
geleitet werden, weil die deutschen Provider keine eigenen Datenaustauschpunkte
unterhielten. Das jetzige Verfahren ist nicht nur schneller, sondern auch
billiger für die angeschlossenen Unternehmen und Organisationen, die nicht mehr
die Kosten für den Datentransfer in die USA tragen müssen.